Essen soll mich nähren – nicht beherrsche
Ernährung war schon immer mein Thema – positiv wie negativ.
Ich habe viele Jahre meines Lebens mit Lebensmitteln verbracht. Als Köchin, als Konditormeisterin, beim Entwickeln von Rezepten und irgendwann auch mit immer mehr Wissen darüber, was eigentlich in unserem Essen steckt.
Aber Wissen allein macht noch keinen entspannten Umgang mit Ernährung.
Im Gegenteil: Je mehr wir über Zucker, Fette, Zusatzstoffe, Nährstoffe, Bioverfügbarkeit und all die anderen Dinge wissen, desto leichter kann aus Interesse irgendwann Kontrolle werden.
Und genau deshalb bedeutet Ernährung für mich heute etwas anderes als noch vor einigen Jahren.
Vom richtigen Essen zum eigenen Essen
Lange habe ich sehr stark danach geschaut, was „gut“ und was „schlecht“ ist.
Was sollte ich essen?
Was lieber nicht?
Was ist gesund?
Was macht krank?
Was braucht mein Körper?
Heute interessiert mich eine andere Frage viel mehr:
Was nährt mich?
Und damit meine ich nicht nur eine Tabelle mit Vitaminen, Mineralstoffen, Protein und Ballaststoffen.
Ein Essen kann auf dem Papier noch so perfekt zusammengestellt sein – wenn ich dabei ständig darüber nachdenke, ob ich gerade etwas falsch mache, fühlt es sich für mich nicht besonders nährend an.
Genauso wenig möchte ich aber so tun, als wäre völlig egal, was wir essen.
Ich möchte wissen, was in meinen Lebensmitteln steckt. Ich möchte verstehen, wie sie hergestellt werden, woher sie kommen und was sie meinem Körper geben können.
Wissen ja. Dogma nein.
Unser Körper ist kein Taschenrechner
Einer der größten Lernprozesse für mich war, meinen Körper nicht mehr nur als etwas zu betrachten, das optimiert werden muss.
Hunger, Sättigung, Appetit, Müdigkeit, Lust auf etwas Bestimmtes – all das sind Informationen.
Nicht jede Lust auf Schokolade bedeutet einen Mineralstoffmangel. Nicht jedes Stück Kuchen braucht eine Rechtfertigung. Und nicht jedes Essen muss ernährungsphysiologisch perfekt sein.
Aber es lohnt sich, wieder hinzuhören.
Habe ich wirklich Hunger?
Bin ich satt?
Brauche ich gerade Energie?
Oder möchte ich eigentlich etwas ganz anderes beruhigen?
Essen kann Genuss sein. Gemeinschaft. Erinnerung. Trost. Belohnung. Gewohnheit. Und manchmal auch Ablenkung.
Das alles gehört für mich dazu.
Genuss ohne Dogma
Ich bin Konditormeisterin. Ich werde ganz sicher nicht anfangen, so zu tun, als müsse ein gutes Leben ohne Schokolade, Kuchen oder Kaffee stattfinden. 😉
Gleichzeitig weiß ich heute viel mehr darüber, wie unterschiedlich Lebensmittel zusammengesetzt sein können.
Und genau da wird es für mich spannend.
Nicht:
„Darf ich das essen?“
Sondern:
„Wie möchte ich essen?“
Manchmal ist die Antwort ein Stück richtig guter Schokolade.
Manchmal ein Sauerteigbrot mit etwas Butter.
Manchmal Gemüse, Kräuter und Fermente.
Und manchmal eben Kuchen.
Die Dosis macht das Gift – aber die Freude gehört für mich genauso zur Ernährung wie das Wissen.
Mein Gedanke dazu
Ich möchte frei essen können.
Nicht gedankenlos. Aber auch nicht voller Regeln.
Ich möchte Lebensmittel verstehen, meinen Körper ernst nehmen und trotzdem genießen können.
Vielleicht ist genau daraus irgendwann ganz selbstverständlich der Satz entstanden, der heute so gut zu Bella Berta passt:
Wissen, das nährt.
Denn Wissen soll mir nicht noch mehr Regeln geben.
Es soll mir ermöglichen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.